Bayerische Geschichten 27/2021: Neue Sagen braucht die Stadt

Liebe Leserin, lieber Leser,

je älter die Stadt, desto mehr Sagen ranken sich um die Bewohner, die alten Gemäuer und die örtlichen Brauchtümer. Es gibt viele Legenden und Mythen, die jeder kennt, und dann, ja dann gibt es ein paar ganz besondere Geschichten, die nicht in der ganzen Stadt und schon gar nicht darüber hinaus bekannt sind. Oder hätten Sie gewusst, dass das Surfen in München erfunden wurde? Dass ein komplett irrsinniges Missgeschick zu den acht Uhrblättern am „Alten Peter“ geführt hat? Dass es ein Dackel fast geschafft hätte, Münchens Wappentier zu werden? Nein? Dann lesen Sie „Münchner Neueste Sagen“ oder „Wie die Isarflößer das Surfen erfanden“. Mit seinen 16 Kurzgeschichten, mal frech, mal fantastisch, mal traurig, geradezu tragisch, aber stets mit liebevollem Zwinkern, bereichert Bastian Mahler den altbekannten Münchner Sagenschatz um neue Legenden und Mythen. Achtung: Kultbuchpotenzial!

Strand und Meer gehören zum Surfen wie der süße Senf zur Weißwurst. Oder? Das Gerücht, dass das Wellenreiten auf Hawaii erfunden und von amerikanischen GIs in die Welt hinausgetragen wurde, hält sich hartnäckig. Doch Bastian Mahler kann von einem viel schöneren Ursprung des Surfens erzählen. Überhaupt genügt ein Blick auf die Surfer im Englischen Garten, um zu sehen, dass so ein Surfbrett auch fernab des Meeres und mitten in der Großstadt gut aufgehoben ist. Wie genau die Münchner Wellenreiter auf die Eisbachwelle kamen? Die Isarflößer waren schuld! Trieben diese doch eindeutig auf mehr als einem Brett den Fluss hinunter. Aber war ihre Erfindung des Surfens nur ein Zufall oder doch eine ziemlich geniale Imagekampagne?

 

Der Alte Peter ist mit seinen acht Uhrenblättern eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit Münchens. Doch das war nicht immer so: Nach einem Blitzschlag brannte der Turm der Kirche im Jahr 1607 völlig nieder. Die Wiederaufbau-Pläne sahen vor, ihn mit seiner ursprünglichen Uhrenanlage auszustatten, die unversehrt aus den Trümmern geborgen werden konnte. Eventuell hätte dieser Plan sogar funktioniert, wenn – ja, wenn ihm nicht das folgenschwere Missgeschicks zweier Gesellen des zuständigen Architekten in Kombination mit einem schon damals sehr langsam und gründlich arbeitenden deutschen Beamtenapparat in die Quere gekommen wäre. Ob vielleicht zuletzt auch eine höhere Macht ihre Finger im Spiel hatte?

 

Der Autor, Kabarettist und Cartoonist Bastian Mahler hat seine nigelnagelneuen Münchner Sagen selbst illustriert.

Wäre das Münchner Wappen, wie im Grunde alle Stadtwappen, nicht hochkant angelegt, dann würde heute der Dackel, länglich und „bodennah“, statt des Mönch darauf thronen – meint zumindest Bastian Mahler. Immerhin soll die Stadt dem treuen, fleißigen Dachshund ihr rasches Wachstum in den ersten Jahren nach ihrer Gründung verdanken: Heinrich der Löwe hatte gerade seine nagelneue Isarbrücke eingeweiht, mit der er seinem Onkel, Bischof Otto I. von Freising, Handel und Zoll über die Isar streitig machte, als der geprellte Bischof zum tierischen Gegenschlag ausholte. Eine Rattenplage soll er auf das junge München und seine Brücke losgelassen haben. Dass ausgerechnet ein ausgebüxster Dackel diesen Plan gefährden könnte, damit hatte niemand gerechnet. Wie die Rettung gelang? Das wird in „Münchner Neueste Sagen“ verraten!