Bayerische Geschichten 03/2026: Auf den Spuren des „Märchenkönigs“ am Starnberger See

Liebe Leserinnen und Leser,

zumeist ist es sein mysteriöser Tod, den die Menschen mit Ludwig II. am Starnberger See in Verbindung bringen. Am 13. Juni 1886 starb der „Märchenkönig“ auf ungeklärte Weise nahe Schloss Berg, wo Einheimische wie Touristen bis heute am Gedenkkreuz, mit der „Votivkapelle“ im Rücken, vor einem „ewigen Rätsel“ stehen – so wie es sich der Herrscher einst gewünscht hat. Der See ist aber auch mit Ludwigs Jugend und den frühen Jahren seiner Regentschaft verbunden. Die Kunsthistorikerin und Gästeführerin Claudia Wagner lädt Sie mit dem handlichen „Bayern-Mini“ auf eine königliche Entdeckungsreise zu den wichtigsten Stationen im Leben Ludwigs II. rund um den Starnberger See ein.

Ein Luftbild der Roseninsel im Starnberger See
Die Roseninsel bei Feldafing (Foto: Klaus Leidorf)

Ludwigs Vater, Maximilian II., hatte 1850 die einzige Insel im „Würmsee“, wie der Starnberger See damals noch genannt wurde, erworben und dort unter anderem einen malerischen Rosengarten anlegen lassen. Ab 1865 machte Ludwig II. die Roseninsel mit ihrer Villa zu seinem privaten Rückzugsort. Nur ausgewählte Gäste wie seine geschätzte Großcousine Kaiserin Elisabeth von Österreich und den verehrten Komponisten Richard Wagner empfing er hier. Gelegentlich ließen „Sisi“ und ihr Ludwig Gedichte im Gartensaal zurück – er schrieb an die „Möwe“, sie antwortete ihrem „Adler“. Nach umfangreicher Restaurierung kann man Ludwigs Refugium heute von Feldafing mit einer öffentlichen Fähre besuchen.

Eine Außenaufnahme von Schloss Berg um etwa 1890
Schloss Berg, um 1890 (Foto: Joseph Albert, Bayerische Staatsbibliothek)

Am gegenüberliegenden Ufer liegt mit Schloss Berg ein Ort, an dem Ludwig viel Zeit verbrachte. Das eher bescheidene Anwesen befand sich schon seit dem 17. Jahrhundert im Besitz des Hauses Wittelsbach, Maximilian II. hatte es im neugotischen Stil umbauen lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, weiterhin im Besitz der Familie, wurden Ecktürme und Zinnenkranz abgetragen. In seiner Kindheit spielte Ludwig hier mit seinem Bruder Otto, als König verlegte er im Sommer seine Regierungsgeschäfte dorthin. Am 12. Juni 1886 sollte er ein letztes Mal zurückkehren – diesmal jedoch als psychiatrischer Patient hinter vergitterten Fenstern.

Die Votivkapelle am Ufer des Starnberger Sees
Gedächtniskapelle St. Ludwig mit Totenleuchte, Berg (Foto: Claudia Wagner, mit freundlicher Genehmigung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds)

Am 13. Juni 1886 unternahm Ludwig zusammen mit seinem Psychiater Dr. Bernhard von Gudden einen Spaziergang im Park von Schloss Berg. Wenige Tage zuvor war er für regierungsunfähig erklärt worden. Stunden später wurden die Leichen der zwei Männer aus dem See geborgen. Ein Holzkreuz markiert die vermeintliche Todesstelle. Ludwigs Ableben ist bis heute der wohl rätselhafteste Todesfall in der bayerischen Geschichte. Dem Gedenken an den Monarchen ist eine Kapelle gewidmet, die sein Nachfolger Prinzregent Luitpold zum zehnten Todestag errichten ließ. Der beauftragte Architekt Julius Hofmann war seit 1884 Leiter der Bauprojekte Ludwigs gewesen und so auch für die Königsschlösser Neuschwanstein und Herrenchiemsee zuständig. Vor der Gedächtniskapelle St. Ludwig überblickt eine fast sieben Meter hohe Totenleuchte den See, dem Ludwig zeit seines Lebens verbunden war.