Bayerische Geschichten 13/2025: Flucht in den Neuanfang
Liebe Leserinnen und Leser,
1935 erreichen vier junge Sudetendeutsche eine unbewohnte Bucht in der nahezu menschenleeren Fjordlandschaft Westpatagoniens. Getrieben von dunklen Vorahnungen für die Zukunft Europas und von den faszinierenden Berichten der Abenteurer angezogen, hatten sie den Entschluss gefasst, dort eine Siedlung zu gründen – Sie gaben ihr den Namen Puyuhuapi.
Trotz zahlreicher Widrigkeiten wie endlosen Regenperioden, verheerenden Bränden und ausbleibenden Vorratslieferungen sollte ihr Vorhaben gelingen – nicht zuletzt wegen der tatkräftigen Unterstützung der in der Nähe ansässigen Chiloten. Heute, genau 90 Jahre nach der Gründung des Ortes, leben in Puyuhuapi mehr als 800 Menschen.

Luisa Ludwig, Tochter eines der Pioniere und selbst in Puyuhuapi aufgewachsen, sprach für dieses Buch mit seinen ältesten Bewohnern und schrieb ihre Erinnerungen nieder: An das Ringen mit dem Urwald, an das Zusammenleben in abgeschiedener Einsamkeit und an das große Erdbeben von 1960. Ihre Leben erzählen Geschichten voll Pioniergeist, einzigartigem Zusammenhalt und großem Durchhaltevermögen.

Die Gründung Puyuhuapis gestaltete sich alles andere als einfach: Weil der Fjord noch nicht gänzlich erforscht war, konnten anfangs noch keine größeren Schiffe bis nach Puyuhuapi vordringen, stattdessen mussten die Bewohner regelmäßig weiter unten im Fjord die Dampfer mit Vorräten abpassen – wenn sie denn kamen. Sogar die Elemente schienen sich gegen das Dorf verschworen zu haben: Gleich mehrmals stand der Ort trotz stetig wachsender Vorsichtsmaßnahmen unter Wasser und bei einem großen Feuer brannte das wichtigste Wohngebäude fast vollständig ab. All das konnte die Pioniere Puyuhuapis aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Welch wichtige Rolle Puyuhuapi mit seinen großen Feldern und der Viehzucht schon früh für die Bevölkerung der abgeschiedenen Region spielte, verdeutlicht dieser Ausschnitt aus einem Brief des Pioniers Walter Hopperdietzel vom 27. Juli 1940: „Da die Dampferverbindung wie alle Winter wieder unregelmäßig ist, hatten wir schon einige Male Besuch von den ausgehungerten Cisnesleuten [Bewohner des nächstgelegenen Ortes, Puerto Cisne]. Wenn es bei denen nur einmal nicht mit dem Dampfer klappt, haben sie gleich nichts zu beißen. Als letzte Rettung bleibt ihnen aber immer Puyuhuapi.“
Buchpräsentation und Literaturtalk: Die Autorin kommt nach München!
30.Oktober 2025, 19:00 Uhr, Haus des deutschen Osten, Am Lilienberg 5, 81669 München.
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ISBN: 978-3-86222-541-5 €25,00

