Bayerische Geschichten 07/2026: Die Überlebenden von Saal an der Donau berichten

Liebe Leserinnen und Leser,

das KZ-Außenlager Saal a.d.Donau bestand vom 30. November 1944 bis zum 20. April 1945. Eingesetzt wurden die Häftlinge beim Bau von Stollen, in denen eine unterirdische Rüstungsproduktion geplant war. In mehreren Transporten wurden über 700 Häftlinge des KZ Flossenbürg nach Saal gebracht. Viele der bereits geschwächten Gefangenen verloren dort aufgrund der katastrophalen hygienischen Verhältnisse und der brutalen Arbeitsbedingungen ihr Leben oder wurden von der SS-Wachmannschaft ermordet. Überlebende des Lagers haben Thomas Muggenthaler von ihren Erlebnissen berichtet. Der Journalist skizziert nun nicht nur die weitgehend unbekannte Geschichte des Außenlagers, sondern zeichnet auch die Biografien ehemaliger Häftlinge nach.

Stolleneingänge an der Bundesstraße 16 von Regensburg nach Saal an der Donau (Foto: Thomas Muggenthaler)

Saal war eines von knapp 90 Außenlagern des KZ Flossenbürg. Die Firma Messerschmitt fertigte im Stammlager Flugzeuge, wollte seine Produktion aber dezentralisieren, um den Angriffen der U.S. Air Force zu entgehen. So wurde in Saal das Projekt „Ring“ geplant, eine unterirdische Fertigungsstätte im nahegelegenen Ringberg. Die Häftlinge wurden gezwungen, Stollen zu graben, und beim Bau eines Flugplatzes eingesetzt. Produziert wurde dort schließlich nie. Als sich die U.S. Army näherte, räumte die SS am 20. April 1945 das Lager. Ein Teil der Häftlinge wurde zu Fuß in Richtung Dachau getrieben, auf einen Todesmarsch, der vielen von ihnen das Leben kostete.

Jakob Haiblum mit Sohn Chaim am Gedenkstein auf dem neuen Friedhof, 1997 (Foto: Archiv Birgit Eisenmann)

„Ich kann diese Zeit nicht vergessen, jeden Tag denke ich daran“, erzählte Jakob Haiblum. Für ihn waren die knapp neun Wochen, die er im KZ-Außenlager Saal an der Donau verbringen musste, die Hölle. „Ich war in zehn Lagern, aber Saal war das schlimmste. Ich habe nicht gedacht, dass es so ein Lager gibt!“ Er überlebte auch den viertägigen Todesmarsch ins KZ Dachau. Am 29. April 1945 wurde Jakob Haiblum dort von der U.S. Army befreit, 1949 wanderte er nach Israel aus. In seiner Wohnung hing ein Bild von Saal an der Donau. Er starb am 27. Oktober 2025 in Ramat Gan/Israel.

Jaroslav Kareš als junger Mann, 1936 (Foto: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)

Jaroslav Kareš, geboren am 31. Dezember 1912 in Lomnice in Tschechien, hatte bereits eine kleine Odyssee hinter sich, als er in Flossenbürg ankam. 1941 als Mitglied einer tschechischen Widerstands¬gruppe verhaftet, verbrachte er drei Jahre in verschiedenen Gefängnissen, ehe er 1944 in das KZ Flossenbürg eingewiesen wurde und kurz darauf nach Saal kam. Der Tscheche wurde beim Stollenbau eingesetzt. Was hat ihn aufrechterhalten im KZ? „Es war die Sehnsucht. Ich hatte eine Frau und einen Sohn!“ Sein Sohn war ein Kleinkind, als er verhaftet wurde. Als Jaroslav Kareš heimkam, war er sechs Jahre alt.