Bayerische Geschichten 13/2026: Die private Kaiserin

Liebe Leserinnen und Leser,

„Sie lacht fast nie – nie wenn sie ihr wahres Leben lebt;“ Mit diesem Satz beschreibt ihr Vorleser Constantin Christomanos die Kaiserin Elisabeth. Die Darstellung einer depressiven, selbstsüchtigen zum Lachen unfähigen Kaiserin hat sich bis heute in vielen Filmen und Büchern gehalten.
Alfons Schweiggert möchte diesem Bild in seinem Buch entgegenwirken. In „Das Lachen der Kaiserin Elisabeth – Hinter den Kulissen der Macht“ erforscht der Autor den einzigartigen Humor einer Kaiserin, die trotz zahlreichen Schicksalsschlägen immer wieder in der Lage war sich zynisch, sarkastisch, aber auch herzlich über sich und andere zu amüsieren.

 

Die 28-jährige Elisabeth, lächelnd, aus der Fotoserie von Joseph Albert, München 1865

Nachdem ihr Mann Kaiser Franz Joseph sie fragt, was sie sich zu ihrem Namenstag wünsche, entgegnet Sissi:
„Am allerliebsten wäre mir ein vollständig eingerichtetes Narrenhaus“
Mit dieser Form der Selbstironie reagiert die Kaiserin auf die Tatsache, dass sie, aufgrund ihrer Lebensweise in Wien unter anderem auch von ihrer eigenen Familie als verrückt angesehen wird. Obwohl dieser ironische Humor bei Elisabeth nur selten und in ihren engsten Kreisen beobachtet werden konnte, gibt es mehrere Fälle, in denen Sissi sich, ihrer selbstverfassten Poesie oder ihrem ausgeprägten Körperkult mit Ironie begegnet.

 
 
 
 
 
 

Elisabeth mit bodenlangem, offenem Haar. Gemälde von Franz Xaver Winterhalter. 1864.

Auch über andere konnte die Kaiserin sich oft amüsieren. Auf ihren Fahrten über das Meer belächelt sie ihre seekranken Hofdamen, sowie ihren Zuckerbäcker Franz Benedicter, dem sie ein Gedicht widmet, in dem sie ihn als „Trauer-Coco“ bezeichnet und sich über die Tortur lustig macht, die der Bäcker bei jeder Überfahrt erlebt.
Auch die boshaften Stellen in den Werken ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine zitiert die Kaiserin, vor allem, um sich über die gefügigen deutschen Professoren lustig zu machen, die sich gegen liberale Ideen stellten, um dem Kaiser und seiner Mutter zu gefallen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Elisabeth mit Fächer, Lithographie Adolf Dautage, um 1870

Vor allem aber tritt Elisabeth dem Leben am Hof, der Habsburger-Dynastie und ihrer Stellung als Kaiserin mit Spott gegenüber, nicht zuletzt, um diese für sie erträglicher zu machen. Sie bezeichnet die Kaiserfamilie als „verkommene Brut“, die dauergebärenden Habsburgerinnen als „alte graue Katzen“, die „viel Geziefer“ in die Welt setzen und die Gäste der Familienfeiern in ihren Gedichten unter anderem als „hässlich, wie eine Hex im Märchen“ oder „einer Schweizer Kuh gleich an fetten Formen.“ Dieser Spott an der eigenen Familie wird für Sissi zur Waffe gegen das starre Hofleben und die damit einhergehenden Zwänge, die sich für sie als Kaiserin dadurch ergeben.