Bayerische Geschichten 16/2026: Puchheim unterm Hakenkreuz

Liebe Leserinnen und Leser,

Puchheim, eine Vorortgemeinde Münchens, besteht aus dem bäuerlichen Altdorf und der von der Müllverwertung Münchens geprägten Siedlung Puchheim-Bahnhof. In den 1920er Jahren wählten die Bewohner des Altdorfs überwiegend konservativ, in Puchheim-Bahnhof dominierten SPD und KPD. Die NSDAP dagegen erzielte selbst bei den Märzwahlen 1933 nur 20 Prozent der abgegebenen Stimmen. Dennoch folgte ein reibungsloser Umbau der politischen und gesellschaftlichen Strukturen im Sinne des Nationalsozialismus – ohne erkennbaren Widerstand. Erich Hage erzählt in „Mit unseren Fahnen ist der Sieg“ vom Aufstieg des Nationalsozialismus, den Kriegsjahren, dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die vor allem die landwirtschaftlichen Betriebe am Laufen hielten, und schließlich vom Einmarsch der amerikanischen Truppen, der dank des Eingreifens einiger mutiger Puchheimer Bürger ohne Gegenwehr erfolgte.

Alte Ansicht von Puchheim-Ort
Puchheim-Ort, ca. 1920 (Foto: Archiv d’Buachhamer)

Nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 zogen drei Nationalsozialisten und ein Mitglied des „Kampfbundes Schwarz-Weiß-Rot“ neu in den Puchheimer Gemeinderat ein. Im Laufe des Jahres 1933 gab es weitere personelle Veränderungen und ab Juli stellte die NSDAP schließlich die Mehrheit. Bis Ende 1933 fasste der Gemeinderat schließlich eine Reihe von Beschlüssen im Sinne der NS-Ideologie. So wurde Adolf Hitler neben anderen NS-Größen zum Ehrenbürger ernannt, der Platz zwischen dem Gemeindehaus und dem Kriegerdenkmal wurde in „Adolf-Hitler-Platz“ und die bisherige Lochhauser Straße in „Adolf-Hitler-Straße“ umbenannt. Zudem verpflichteten sich die Gemeinderäte „der Idee Adolf Hitlers treu zu dienen“ und legten den „Treueschwur“ ab. Mit diesen Beschlüssen erfüllte Puchheim alle formalen Kriterien einer nationalsozialistischen Gemeinde.

Schwarz-weiß-Aufnahme eines Mannes
Der Landwirt Georg Schießl war von 1933 bis 1937 Bürgermeister von Puchheim (Foto: Archiv der Stadt Puchheim).

Am 1. April 1935 trat schließlich die Deutsche Gemeindeordnung in Kraft, die für das gesamte Deutsche Reich galt und die Bayerische Gemeindeordnung von 1927 ablöste. „Gemeinderat“ gab es nur noch als Bezeichnung für eine Person, einen Gemeinderat als Kollegialorgan gab es nicht mehr. Die Gemeinderäte wurden nicht mehr von den Bürgern gewählt, sie wurden jetzt vom Beauftragten der NSDAP im Benehmen mit dem Bürgermeister berufen. Die Umsetzung der neuen Gemeindeordnung erfolgte in Puchheim schrittweise. Am 30. Mai 1935 heißt es im Protokoll der Gemeinderatssitzung: „Es werden 2 Beigeordnete ernannt! Es werden 6 Gemeinderäte ernannt!“ Beigeordnete waren die Stellvertreter des Bürgermeisters; die Zahl der Gemeinderäte belief sich trotz dieser Erklärung weiterhin auf acht. Ende September verkündete Bürgermeister Georg Schießl dann die „Auflösung des alten Gemeinderates auf Grund des neuen Gemeindegesetzes“.

Schwarz-weiß-Aufnahme einer Versammlung vor einem Haus
Kundgebung der Puchheimer NSDAP vor der Bahnhofsrestauration am 1. Mai 1934 oder 1935 (Foto: Archiv d’Buachhamer)

 

 

 

 

 

Neben der nationalsozialistischen Ausrichtung der Gemeinde waren die Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von dem Bemühen der NSDAP geprägt, die NS-Gesinnung bei den Einwohnern Puchheims zu verankern. Ein wesentliches Mittel dazu war der 1. Mai, der von der NSDAP in einen nationalsozialistischen Feiertag umfunktioniert worden war. Dabei wurden auch die ländlichen Traditionen wie das Aufstellen eines Maibaums ausgenutzt. Erstmals seit vielen Jahren wurde in Puchheim-Ort am Vortag des 1. Mai 1934 von den Burschen wieder ein Maibaum aufgestellt, dessen Spitze ein Hakenkreuz zierte, das in der Nacht weithin sichtbar mit 17 Glühbirnen leuchtete. Die Maifeier am nächsten Tag begann mit einem großen Festzug der örtlichen Vereine und Organisationen, an dem 600 Personen teilnahmen. Auch in den folgenden Jahren wurde der „Tag der nationalen Arbeit“, wie der 1. Mai jetzt hieß, feierlich mit Festzug und abschließender Rede des Bürgermeisters begangen.