Newsletter: München und das Bier

Das Kloster der Paulaner in der Au. Hier lebte und wirkte einst Bruder Barnabas. Kupferstich von Michael Wening (Ausschnitt), 1702.
Das Kloster der Paulaner in der Au. Hier lebte und wirkte einst Bruder Barnabas. Kupferstich von Michael Wening (Ausschnitt), 1702.
berühmtberüchtigt ist die alljährliche Starkbierprobe des Salvatorausschanks auf dem Nockherberg. Wenn Kabarettisten wie Bruno Jonas oder Django Asyl als Bruder Barnabas die Führungsriege der Parteien auf die Schippe nehmen, bleibt kein Auge trocken. Aber wer war eigentlich dieser Bruder Barnabas? Dazu muss man etwas weiter in der Münchner Geschichte zurückgehen.
Die Brauerei des Heiliggeistspitals
Bereits 1286 erhielt das Heiliggeistspital von Herzog Ludwig II. das Brau- und Schankrecht. Das hohe Gebäude links am Bildrand ist die spitaleigene Brauerei. Ölgemälde von Domenico Quaglio (Ausschnitt), 1824 (Münchner Stadtmuseum).
Im Jahre 1629 holte Kurfürst Maximilian I. den Paulaner-Orden nach München und siedelte das Kloster außerhalb der Stadt „ob der Au in Neudeck“, also jenseits der Isar unterhalb des Nockherbergs an. 1634, mit dem Eintritt des Erben von Sebastian und Elisabeth Lerchl in den Orden, kam das Starkbier auf den Weg; denn die Lerchls betrieben eine Brauerei. Durch den Eintritt ihres einzigen Erben ins Kloster ging das Braurecht automatisch an die Mönche über. Vordergründig zu Ehren des Todestages von Franz von Paola am 2. April, brauten sie das Bier noch wesentlich stärker als das herzogliche Bockbier. Dieser Doppelbock diente für die anschließende Fastenzeit als Nahrungsersatz gemäß dem Motto: „Flüssiges bricht Fasten nicht“. Mit frommem Blick auf ihren Ordensgründer nannten sie dieses Getränk „Sankt-Vaters-Bier“, von dem während der Fastenzeit vier Liter (!) täglich gestattet waren.
Das nahrhafte Starkbier schmeckte aber nicht besonders gut. 1773 änderte sich dies abrupt. Der Sohn eines Oberpfälzer Bauers, Valentin Stephan Still, trat als Laienbruder Barnabas in den Orden ein und machte aus dem „Sankt-Vaters-Bier“ das heute weltberühmte „Salvator-Bier“. Ab 1780 wurde der ganzjährige Ausschank gewährt. Und Bruder Barnabas reichte von da ab jedes Jahr bis zu seinem Tode dem Kurfürsten den ersten Krug Starkbier. Dadurch wurde Bruder Barnabas zur Vorlage für das „Politiker-Derblecken“, bei dem Bruder Barnabas als Gastgeber fungiert und seine geladen Gäste aufzieht. Bierkeller in der Rosenheimer Straße
Fassbierwagen der Spatenbrauerei, um 1920. Damals war die alte Vorschrift, Fässer nur in maximal drei Reihen aufzuladen, aufgehoben worden (Foto: G. Sedlmayr Spaten-Franziskaner-Bräu KGaA).

Flaschenabfüllerei

Erstmalig lässt sich nun die traditionelle Verbindung von München und seinem Bier in allen Facetten mit viel Bildmaterial nachverfolgen: vom Hausbrauen zu den bürgerlichen Kleinbrauereien, über die Blütezeit mit 80 Brauereien zum Brauereisterben während der Industrialisierung, dem Aufstieg der Bierbarone und der Errichtung der Bierpaläste.
Flaschenabfüllerei der Pschorrbrauerei, um 1905 (Hacker-Pschorr Bräu GmbH).

Ihr Volk Verlag Leserservice
Florian Kaltenhäuser

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