Bayerische Geschichte(n) 04/2011: Vom weiß-blauen Aushängeschild zur Zockerbude

Vertragsunterzeichnung am 22. Mai 2007: Sparkassenpräsident Dr. Siegfried Naser, der bayerische Finanzminister Dr. Kurt Falthauser, der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und der Vorstand der BayernLB Werner Schmidt (v. l.) verkünden auf einer Pressekonferenz in Klagenfurt den Kauf der Hypo Group Alpe Adria (Bilder: dpa).

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Gas geben“ – so lautet der Ratschlag des bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser. Man schreibt das Jahr 2006, kurz vor Weihnachten: Bayerische Spitzenpolitiker, darunter Ministerpräsident Stoiber, stehen bei einem Glas Sekt beisammen. Man feiert den Geburtstag Rudolf Hanischs, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank. Als die Rede auf den Kauf der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria kommt, stößt Faltlhauser mit seiner Forderung bei Werner Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BayernLB, auf offene Ohren. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

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Die bekanntesten Mitglieder des Verwaltungsrates: Dr. Kurt Faltlhauser, Dr. Günther Beckstein und Erwin Huber.

Dass die Übernahme der BAWAG-Bank wenige Tage zuvor gescheitert ist, sorgt immer noch für Unmut. Denn: Die BayernLB soll in der Liga der „Global Player“ mitspielen. Dass die Kärntner Bank zu diesem Zeitpunkt bereits für ihre Skandale bekannt ist, spielt keine Rolle. Die Kaufverhandlungen verlaufen problemlos: Warnungen werden ignoriert, Bankexperten bleiben bei den Kaufverhandlungen außen vor und die von der BayernLB gebotene Summe übertrifft die Erwartungen der HGAA bei Weitem.

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Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss beschäftigte sich seit April 2010 im Bayerischen Landtag mit dem Milliardendebakel BayernLB. Auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wurde als Zeuge geladen.

2009 ist der Traum vom großen Deal endgültig vorbei: Georg Fahrenschon, neuer bayerischer Finanzminister, muss das marode Kärtner Bankhaus für einen symbolischen Euro an den österreichischen Staat verkaufen. Der größte Bankenskandal in der Geschichte Bayerns ist perfekt – das Abenteuer HGAA kostet die BayernLB bislang 3,75 Milliarden Euro. Christoph Rabenstein geht in „Der große Deal“ den Ereignissen rund um den Kauf der HGAA auf den Grund, schildert den genauen Ablauf und spürt den Schuldigen am Milliardenverlust nach.